10 May 2026, 20:17

1926 eskaliert Deutschlands Flaggenstreit unter Hindenburgs Verordnung

Deutsche Flagge über Text auf einem Plakat

1926 eskaliert Deutschlands Flaggenstreit unter Hindenburgs Verordnung

Deutschlands jahrelanger Flaggenstreit flammte 1926 erneut auf und legte die tiefen politischen Gräben im Land schonungslos offen. Seit der Reichspräsidentenwahl 1925 hatten sich die Fronten verhärtet: Verfeindete Lager stritten erbittert über die nationalen Symbole. Am 5. Mai erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg eine neue Verordnung, um die Gemüter zu beruhigen – doch sie heizte die Debatte nur weiter an.

Die Wurzeln des Konflikts reichten bis in die Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs zurück. Nach dem Scheitern des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich durch die Alliierten versteinerten sich die politischen Lager: Die Rechte hielt an den alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot fest, während Linke und Zentrum Schwarz-Rot-Gold unterstützten. Bis 1925 hatten sich daraus zwei unversöhnliche Blöcke gebildet – der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“, die keinen Kompromiss dulden wollten.

Anfang 1926 versuchte die Nationalversammlung, eine Einigung zu vermitteln: Die Nationalflagge sollte Schwarz-Rot-Gold bleiben, die Handelsflagge beide Farbkombinationen vereinen. Doch der Waffenstillstand war brüchig. Die Rechte, entschlossen, ihre Agenda durchzusetzen, lancierte eine Initiative zur „Lösung“ der Frage – wohlwissend, dass dies Linke und Zentrum provozieren würde.

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Hindenburg griff mit einem offenen Brief ein und mahnte eine verfassungskonforme Lösung an, um das Land zu einen. Daraufhin beauftragte er den Reichskunstwart Edwin Redslob mit dem Entwurf einer einheitlichen Reichsflagge. Dessen Vorschlag – ein rot-gelb gevierteltes Tuch mit schwarzem Balkenkreuz – sorgte jedoch nur für Verwirrung und wurde als unpraktikabel verworfen.

Am 5. Mai erließ Hindenburg die „Zweite Flaggenverordnung“, die deutsche Vertretungen außerhalb Europas verpflichtete, sowohl die National- als auch die Handelsflagge zu hissen. Doch der Erlass besänftigte keine Seite. Reichskanzler Hans Luther sah sich von rechts mit Vorwürfen konfrontiert, nicht weit genug gegangen zu sein, während die Linke darin ein Zugeständnis an reaktionäre Kräfte sah. Selbst die Kommunisten, die Schwarz-Rot-Gold bisher abgelehnt hatten, unterstützten es nun – ein Zeichen dafür, wie verbittert der Streit geworden war.

Die Verordnung von 1926 beendete den Konflikt nicht; er schwelte unverändert weiter bis 1933. Die Flaggenfrage blieb ein sichtbares Symbol für Deutschlands innere Zerrissenheit, ein Spiegel der Gräben, die die Politik nicht überbrücken konnte. Eine dauerhafte Lösung fand sich nicht mehr – bis zum Untergang der Weimarer Republik.

Quelle