Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage feiert Uraufführung in Wien
Cordula RingAngélica Liddells radikale Mishima-Hommage feiert Uraufführung in Wien
Angélica Liddell präsentiert ihre neueste Arbeit Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben im Wiener Volkstheater
Die Uraufführung ist Teil der Wiener Festwochen, die sich in diesem Jahr mit den Themen Leben, Tod und dem Makabren auseinandersetzen. Liddells Stück bezieht sich stark auf das Erbe des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, dessen ritueller Selbstmord ihre Kunst bis heute prägt.
Mishimas dramatisches Leben endete 1970 mit seinem eigenen Seppuku – eine Szene, die er bereits 1966 in einem Kurzfilm inszeniert hatte. Liddells Performance setzt diesen Akt neu in Szene und verbindet Elemente des Nō-Theaters mit roher, körperbetonter Performance-Kunst. Ihre Compagnie, Atra Bilis Teatro, sammelte für die Produktion Kleidung, die einst von Verstorbenen getragen wurde.
Auf der Bühne ziehen sich Liddell und eine Mitperformerin selbst Blut ab, das vermischt und auf eine Leinwand gespritzt wird – eine drastische, körperliche Verknüpfung mit der Thematik der Sterblichkeit. Das Werk setzt sich auch mit Liddells persönlichen Ängsten auseinander, insbesondere seit sie am 7. Januar 2024 in Madrid miterlebte, wie sich eine Frau das Leben nahm.
Durch die Performance verkörpert Liddell das Leid der Toten, indem sie deren Kleidung trägt und ihre Geschichten erzählt. Das Stück erkundet das Leben und den Tod jener, die sich selbst das Leben nahmen, wobei Mishimas Erbe als roter Faden dient.
Die Premiere ist eine mutige Auseinandersetzung mit Suizid, Ritual und Erinnerung. Der Einsatz von echtem Blut und der Kleidung Verstorbener unterstreicht die ungebändigte Intensität des Werks. Die Performance konfrontiert das Publikum auf erschütternde Weise mit der Vergänglichkeit und der künstlerischen Kraft von Mishimas Einfluss.






