Anna Netrebko polarisiert mit Un ballo in maschera an der Berliner Staatsoper
Wenzel WeinholdAnna Netrebko polarisiert mit Un ballo in maschera an der Berliner Staatsoper
Berlins Staatsoper präsentiert provokante Neuinszenierung von Un ballo in maschera – Anna Netrebko als Amelia gefeiert und umstritten
Die Berliner Staatsoper hat mit einer mutigen Neuinszenierung von Verdis Un ballo in maschera für Furore gesorgt, in der die Sopranistin Anna Netrebko die Rolle der Amelia übernimmt. Die Premiere löste sowohl begeisterten Applaus als auch heftige Proteste aus und spiegelte damit die anhaltende Debatte um die politische Vergangenheit der Sängerin wider. Vor dem Opernhaus schwenkten Demonstranten ukrainische Fahnen und skandierten Parolen gegen ihren Auftritt.
Die fast dreistündige Aufführung von Verdis Oper wurde mit starkem Beifall für Ensemble und Orchester bedacht. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, erhielt von vielen Zuschauern begeisterte Ovationen. Doch ihre Präsenz sorgte auch für Kontroversen – insbesondere wegen eines Konzerts 2021 in Moskau, bei dem sie ihren Geburtstag im Kreml in Gegenwart von Präsident Wladimir Putin feierte. Dieses Ereignis führte zu zahlreichen Absagen ihrer Auftritte in Europa, auch wenn sich ihr öffentliches Image bis 2026 allmählich erholt hat.
Regisseur Rafael R. Villalobos wählte für diese Produktion einen kühnen Ansatz und verband die Handlung mit Themen der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise. Diese künstlerischen Entscheidungen spalteten das Publikum: Einige Szenen wurden mit Applaus bedacht, andere mit Buhrufen quittiert.
Vor der Vorstellung versammelten sich etwa 50 Protestierende vor der Staatsoper. Sie hielten ukrainische Fahnen hoch und riefen Sprüche wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" oder "Russland ist ein Terrorstaat". Trotz der Kritik verteidigte Intendantin Elisabeth Sobotka Netrebkos Rückkehr mit dem Hinweis, die Sängerin habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit dem Vorfall nicht mehr dorthin zurückgekehrt. Kritiker verweisen inzwischen auf ihre gesanglichen Leistungen in Wien, Berlin und Mailand, während andere Häuser – darunter München – weiterhin zögern, sie zu engagieren.
Netrebkos Rückkehr nach Berlin markiert einen wichtigen Moment in ihrer Karriere. Nach Jahren politischer Prüfung hat sie schrittweise ihre Auftritte in Europa wiederaufgenommen, wobei viele mittlerweile ihre künstlerische Leistung in den Vordergrund stellen statt ihre vergangenen Kontroversen.
Die Premiere von Un ballo in maschera unterstrich die anhaltenden Spannungen um Netrebkos Karriere, auch wenn ihre stimmliche Meisterschaft erneut Anerkennung findet. Während draußen die Proteste anhielten, erhielt die Inszenierung selbst warme Zustimmung vom Publikum. Die Diskussion über ihre Auftritte jedoch zeigt keine Anzeichen, vollständig zu verebben.






