09 February 2026, 22:40

Antisemitismus-Vorwurf: Raab-Show bei RTL Live löst Empörung mit Ofarim-Sketch aus

Ein Plakat, das eine jüdische Ausstellung in Paris ankündigt, zeigt eine Person vor einem Tisch mit einem Buch und einer Menora, sowie Ausstellungdetails.

Antisemitismus-Vorwurf: Raab-Show bei RTL Live löst Empörung mit Ofarim-Sketch aus

Eine aktuelle Sondersendung der Stefan-Raab-Show hat für Empörung gesorgt, nachdem ein Sketch antisemitische Klischees über den Musiker Gil Ofarim bediente. In dem bei RTL Live ausgestrahlten Beitrag wurde behauptet, Ofarims "Schwindler-Gen" stamme von "Onkel Samuel" und sein Erfolg in der "jüdischen Gemeinschaft" verspottet. Die Kritik kam prompt – der Sender nahm die gesamte Sendung daraufhin von seiner Streaming-Plattform.

Der Vorfall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem Ofarims Glaubwürdigkeit bereits durch frühere Kontroversen schwer beschädigt ist – darunter sein Geständnis aus dem Jahr 2023, fälschlicherweise einen Hotelmitarbeiter 2021 des Antisemitismus beschuldigt zu haben.

Die Affäre nahm ihren Lauf, als RTL Live die Stefan-Raab-Show 2024 wiederbelebte, in der Hoffnung, die sinkenden Quoten aufzubessern. Die Entscheidung, Gil Ofarim – eine polarisierende Figur in den deutschen Medien – einzuladen, sorgte von vornherein für Streit. Noch vor der Ausstrahlung entbrannten Online-Debatten, warum dem Sänger trotz seiner Vorgeschichte eine Bühne geboten werde.

In der Sondersendung griff Raabs Sketch auf schädliche Stereotype zurück und verband Ofarims Handlungen mit seiner jüdischen Herkunft. Der Beitrag deutete an, seine angebliche Unehrlichkeit sei vererbt, während gleichzeitig über seine Beliebtheit bei jüdischem Publikum gespottet wurde. RTL Live distanzierte sich später in einer Stellungnahme von Antisemitismus, ging jedoch nicht auf die konkrete Kritik am Sketch ein. Die Reaktion konnte die öffentliche Empörung nicht besänftigen – der Sender entfernte die Folge innerhalb weniger Tage aus seinem Streaming-Angebot.

Ofarims Ruf hatte bereits gelitten, nachdem er 2023 eingestanden hatte, eine Antisemitismus-Beschuldigung gegen einen Leipziger Hotelangestellten aus dem Jahr 2021 erfunden zu haben. Er zahlte 10.000 Euro Schadensersatz und entschuldigte sich, doch die Folgen wirken nach. Anfang dieses Jahres sorgte sein Sieg bei Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! (dem Dschungelcamp 2026) für erneute Aufmerksamkeit. Ofarim behauptete, Videobeweise seien manipuliert worden, doch der freigesprochene Mitarbeiter, Markus W., wies dies zurück und schilderte die Drohungen, denen er ausgesetzt war. Die Medienberichterstattung stellt Ofarim seitdem durchgehend als unglaubwürdig dar.

Der RTL Live-Vorfall hat zudem antisemitische Verschwörungstheorien im Netz weiter angeheizt. Einige Nutzer verteidigten den Sketch oder verbreiteten falsche Behauptungen über jüdischen Einfluss. Kritiker werfen dem Beitrag vor, er stehe exemplarisch für die Exotisierung jüdischer Menschen in der deutschen Unterhaltungsbranche, wo Stereotype oft als Humor verkauft werden.

Die Folgen des Sketches haben RTL Live oder Stefan Raabs Karrieren bisher nicht nachhaltig geschadet, doch der Vorfall legt tiefere Probleme in den deutschen Medien offen. Ofarim, der bereits mit rechtlichen Konsequenzen für frühere Handlungen konfrontiert ist, sieht seinen öffentlichen Ruf weiter ramponiert. Unterdessen dauert die Debatte über verantwortungsvolle Berichterstattung und die Verharmlosung antisemitischer Klischees an – ohne dass eine Lösung in Sicht wäre.