Asylpolitik im Wandel: Warum Deutschland und Österreich weniger syrische Flüchtlinge aufnehmen
Antonio SchleichAsylpolitik im Wandel: Warum Deutschland und Österreich weniger syrische Flüchtlinge aufnehmen
Deutschland und Österreich sind 2024 zu den wichtigsten Zielländern für syrische Flüchtlinge in der EU geworden – beide Länder gewähren 80 Prozent der anerkannten Schutzsuchenden Asyl. Doch ein deutlicher Rückgang der Asylanträge in diesem Jahr hat die Debatte über die Migrationspolitik verändert. Fachleute hinterfragen nun, ob jüngste Maßnahmen – darunter umstrittene Zurückweisungen an den Grenzen – tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigen.
Im Mai 2025 begann die deutsche Regierung damit, Asylsuchende an den Grenzen zu Österreich, Polen und der Schweiz systematisch zurückzuweisen. Was 2015 noch eine Forderung der rechtspopulistischen AfD am Rande des politischen Spektrums war, ist heute ein zentraler Baustein der Berliner Migrationsstrategie. Doch trotz des harten Vorgehens zweifelt der Migrationsforscher Gerald Knaus an der praktischen Wirksamkeit dieser Maßnahmen.
Knaus kritisiert die Zurückweisungen als rechtlich fragwürdig und langfristig nicht tragfähig. Sie verstießen gegen EU-Recht und gingen an den eigentlichen Ursachen irregulärer Migration vorbei, argumentiert er. Stattdessen sieht er die Entwicklungen in Syrien selbst als Hauptgrund für den aktuellen Rückgang der Asylanträge.
Besonders deutlich ist der Rückgang in Deutschland und Österreich, wo die Zahl syrischer Schutzsuchender stark gesunken ist. Knaus betrachtet dies als Chance, die Migrationskontrolle neu zu denken und plädiert für humanere, nachhaltige Lösungen. Er warnt, dass ein Festhalten an Zurückweisungen die Zusammenarbeit in der EU-Asylpolitik insgesamt gefährden könnte.
Zwar gehen die Asylanträge in Deutschland zurück, doch die Diskussion über den richtigen Umgang mit Migration bleibt kontrovers. Die Zurückweisungspolitik, mittlerweile ein zentrales Instrument der Regierung, steht wegen ihrer Effektivität und Rechtmäßigkeit in der Kritik. Gleichzeitig fordern Experten einen Kurswechsel hin zu einer Politik, die Kontrolle mit humanitären Belangen in Einklang bringt.






