Defekter Medikamentenroboter bringt Apotheke an ihre Grenzen – wie eine PTA den Notbetrieb meistert
Antonio SchleichDefekter Medikamentenroboter bringt Apotheke an ihre Grenzen – wie eine PTA den Notbetrieb meistert
Defekter Medikamentenautomat zwingt Apotheke in den Notbetrieb
Seit Wochen muss die Königstor-Apotheke in Minden im Ausnahmemodus arbeiten – schuld ist ein defekter Abgabeautomat. Technische Assistentin Birgit Maier erledigt nun per Hand, was eigentlich die Maschine übernehmen sollte. Und sie ist nicht die Einzige: Eine Apotheke in Ostfriesland wartet seit über einem Jahr auf die Reparatur eines 250.000-Euro-Systems, das immer noch nicht funktioniert.
Vor einem Monat fiel der Medikamenten-Roboter der Königstor-Apotheke aus. Seither organisiert das Team den Betrieb ohne ihn. Birgit Maier, Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA), greift nun mit Zange, Lineal und einem Strohhalm-Sauger zwischen die Regale des Automaten. Sie hat die Lagerung nach eigenem System neu sortiert – nach Verfallsdaten, Anwendungsgebieten und sogar Farbverläufen.
Mit Routine und Präzision arbeitet Maier: Preise und Dosierungen erfasst sie im Vorbeigehen, am Kopfhörer gibt sie Kunden Auskunft – fast wie eine Drive-in-Mitarbeiterin, weniger wie eine klassische Apothekerin. Dass sie die defekte Technik übertrifft, zeigt, wie unverzichtbar PTAs geworden sind, um Apotheken am Laufen zu halten. Das Problem ist kein Einzelfall: Eine Apotheke in Ostfriesland wartet seit dem vergangenen Jahr auf die Instandsetzung ihres 250.000-Euro-Automaten.
Doch die Schwierigkeiten gehen über technische Pannen hinaus. Ein aktueller Test des NDR-Verbrauchermagazins Markt ergab, dass nur zwei von zehn Apotheken eine fachgerechte Beratung anboten. Und erst im letzten Monat verurteilte das Landgericht Berlin den Terminvermittler Doctolib, weil er Kunden über Selbstzahler-Leistungen täuschte – ein weiteres Indiz für strukturelle Probleme im Gesundheitswesen.
Immer mehr setzen Apotheken auf geschultes Personal, um die Lücken defekter Automatisierung zu schließen. Doch die verzögerten Reparaturen und juristischen Auseinandersetzungen deuten auf tiefere Systemfehler hin. Solange diese nicht behoben werden, bleiben Mitarbeiter wie Birgit Maier darauf angewiesen, mit improvisierten Lösungen die Versorgung aufrechtzuerhalten.