"Deutschland steuert auf die Wand zu" – Herrenknecht-Chef warnt vor Reformstau und Bürokratie
Antonio Schleich"Deutschland steuert auf die Wand zu" – Herrenknecht-Chef warnt vor Reformstau und Bürokratie
Martin Herrenknecht, der 83-jährige Vorstandsvorsitzende der Herrenknecht AG, hat eine drastische Warnung vor der Zukunft Deutschlands ausgesprochen. Das Land steuere „direkt auf die Wand zu“, wenn nicht grundlegende Reformen umgesetzt würden, so der Unternehmer. Seine Kritik kommt zu einer Zeit, in der sein Unternehmen – weltweit führend im Bau von Tunnelbohrmaschinen – im Inland mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert ist.
Die Herrenknecht AG mit Sitz in Schwanau im Ortenaukreis beschäftigt rund 5.500 Mitarbeiter weltweit. Das Unternehmen war maßgeblich an großen europäischen Infrastrukturprojekten beteiligt, darunter der Gotthard-Basistunnel, der Brenner-Basistunnel und das Bahnprojekt Stuttgart 21. Trotz des Erfolgs im Ausland sieht Herrenknecht Deutschland durch eigene politische Entscheidungen zunehmend geschwächt.
Er bezeichnete das Land als eine „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“ und kritisierte die erstickende Bürokratie. In einem aktuellen Interview räumte er ein, dass er sein Unternehmen unter den heutigen Bedingungen wegen überbordender Regulierung nicht mehr gründen könnte. Als Beispiel nannte er ein Logistikzentrum in Baden-Württemberg, das bereits dreieinhalb Jahre in der Planungsphase feststeckt – ein vergleichbares Projekt in Chennai, Indien, erhielt dagegen innerhalb von nur drei Monaten die Genehmigung.
Herrenknecht warnte zudem, Deutschland befinde sich in einem „Dornröschen-Schlaf“ und könne sich nicht schnell genug an den globalen Wettbewerb anpassen. Seine Aussagen spiegeln eine breitere Sorge um die wirtschaftliche und administrative Effizienz des Landes wider.
Die Warnungen des Vorstandschefs unterstreichen die tiefe Frustration in der deutschen Wirtschaft. Da sein Unternehmen den Markt für Tunnelbohrtechnik dominiert, kommt Herrenknechts Einschätzung besonderes Gewicht zu. Seine Worte deuten darauf hin, dass das Land ohne dringende Kurskorrekturen weiter in Sachen Infrastruktur und Wirtschaftswachstum zurückfallen könnte.






