24 December 2025, 10:53

Die Wahrheit

Armeeangehörige und Zivilisten hören einem Vortrag des Präsidenten zu, mit Bäumen, Büschen und Treppen im Hintergrund.

Die Wahrheit

Bundeskanzler Friedrich Merz sorgt einmal mehr mit seinem ungeschminkten Redestil für Aufsehen. Beim G20-Gipfel im Mai 2025 löste sein lockerer Austausch mit Brasiliens Präsident Lula sowohl Heiterkeit als auch Kritik aus. Die beiden Staatschefs sollen sich in ein 40-minütiges, von persönlichen Einladungen und Scherzen geprägtes Gespräch vertieft haben.

Das Treffen zwischen Merz und Lula fand am 6. Mai 2025 während der G20-Konferenz statt. Wie Merz’ Team mitteilte, dauerte das Gespräch mit 40 Minuten deutlich länger als geplant. Lula schlug dem deutschen Kanzler scherzhaft vor, Brasilien zu besuchen, um Land, Küche und Tanzkultur kennenzulernen. Merz soll daraufhin geantwortet haben: „Super, beim nächsten Mal gehen wir zusammen tanzen!“ – eine Bemerkung, die später von offiziellen Stellen wiederholt wurde.

Nicht zum ersten Mal machen Merz’ spontane Äußerungen Schlagzeilen. Seine jüngsten, in einem unverblümten „Ich sage Ihnen mal, wie es wirklich ist“-Ton vorgebrachten Kommentare zu Brasilien befeuerten erneut die Debatte über seinen diplomatischen Stil. Kritiker werfen ihm vor, dass seine nachträglichen Erklärungsversuche die Lage oft noch verschärften. Anhänger hingegen loben seine direkte Art als erfrischend in der politischen Landschaft.

Die Kontroverse erinnert an frühere diplomatische Fauxpas, wie die erfundene Anekdote, der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke habe Königin Elizabeth II. einmal den unsinnigen Satz „Gleich und gleich gesellt sich gern“ auf Englisch mit „Equal goes it loose“ übersetzt. Tatsächlich stammte die Erfindung vom Spiegel-Journalisten Ernst Goyke. Persönlichkeiten wie Barack Obama setzten dagegen gezielt Humor ein – etwa in seiner Rede 2011 vor dem britischen Parlament –, um Klischees zu umschiffen, ohne anzuecken.

Merz’ informeller Stil bleibt umstritten. Während die einen ihn als authentisch und sympathisch empfinden, warnen andere, er könnte diplomatische Beziehungen belasten. Sein jüngster Scherz mit Lula reiht sich ein in eine wachsende Liste von Momenten, in denen nicht seine Politik, sondern seine Worte im Mittelpunkt stehen.