Düstere Theatervision: Wie ein ostdeutsches Dorf im Klimawandel versinkt
Wenzel WeinholdDüstere Theatervision: Wie ein ostdeutsches Dorf im Klimawandel versinkt
Ein neues Theaterstück zeichnet ein düsteres Bild vom Niedergang des ländlichen Raums in Ostdeutschland. Das fiktive Dorf Debritz wird als öde, verlassene Gegend dargestellt – mit missratenen Ernten, einer schrumpfenden Bevölkerung und ohne Industrie oder Verkehrsanbindungen. Die Inszenierung setzt sich mit drängenden Themen wie der Kluft zwischen Stadt und Land sowie dem Klimawandel auseinander, die im aktuellen deutschen Theater selten im Mittelpunkt stehen.
Debritz, einst ein blühendes Zentrum des Salzbergbaus, ist heute eine Ödnis. Jahre der Dürre und das Versickern von Sole im Grundwasser haben das Land unbewohnbar gemacht. Das Dorf steht symbolisch für viele kämpfende Regionen, seine Bewohner verkörpern gesellschaftliche Probleme wie Wut und den politischen Rechtsruck.
Das Stück verbindet Farce mit Absurdität und präsentiert skurrile Figuren wie Barbarossa und Candy die Kerze. Ihre slapstickhafte Komik kontrastiert mit der trostlosen Umgebung. Unter den Dorfbewohnern wirken nur Peggy, eine Zuckerrübenbäuerin, und ihr Freund Maik wirklich ausgearbeitet. Ihre gegensätzlichen Sehnsüchte – wegzugehen oder zu bleiben – treiben die Handlung voran.
Peggys Online-Dating-Szenen bieten eine surreale Flucht aus der Realität. Potenzielle Verehrer machen absurde Avancen, gipfelnd in der dramatischen Entscheidung des Paares, ihre „erstickende Welt vom Bösen zu befreien“ – begleitet vom Batman-Thema. Die Uraufführung am Badischen Staatstheater Karlsruhe, später auch im Berliner Neues Entrée gezeigt, erhielt Lob für die mutige, experimentelle Regie von Brit Bartkowiak. Die Energie des Ensembles machte Schwächen im Drehbuch wett.
Das Stück endet in düsteren Tönen: Zwei Gestalten in Schutzanzügen tauchen auf und deuten eine dystopische Zukunft an, sollten die aktuellen Probleme ignoriert werden.
Mit Satire und groteskem Humor thematisiert die Produktion die Spaltung zwischen Stadt und Land in Deutschland und die Folgen des Klimawandels. Die Uraufführung zeigt, wie Theater vernachlässigte Themen wieder ins Rampenlicht rücken kann. Das finale Bild der Schutzanzug-Träger hinterlässt beim Publikum eine klare Warnung vor den Konsequenzen von Untätigkeit.
