Freiburgs neue Verpackungssteuer spaltet Gastronomie und Stadtverwaltung
Antonio SchleichDiskussion um die Verpackungssteuer: 'Das ist doch schon frech' - Freiburgs neue Verpackungssteuer spaltet Gastronomie und Stadtverwaltung
Freiburg führt zum Jahresbeginn eine neue Steuer auf Einwegverpackungen für Essen zum Mitnehmen ein
Die Stadt erhebt seit Anfang des Jahres eine Abgabe von 50 bis 70 Cent pro Behälter für warme Speisen – eine Maßnahme, die bei lokalen Betrieben auf Kritik stößt. Während die Stadtverwaltung den Schritt als notwendig bezeichnet, monieren viele Gastronomen, das System hätte besser vorbereitet sein müssen, bevor es umgesetzt wurde.
Die Steuer betrifft Einwegverpackungen für warme Takeaway-Gerichte, wobei die Gebühren je nach Behälter zwischen 50 und 70 Cent liegen. Die Stadt hat bereits Gespräche mit rund 200 betroffenen Unternehmen geführt und räumt eine "Eingewöhnungsphase" ein, während sich Restaurants anpassen. Doch in der Gastronomiebranche herrscht Unmut: Viele werfen der Stadt vor, die Abgabe überstürzt eingeführt zu haben, ohne ein flächendeckendes Mehrwegsystem für Essensverpackungen bereitzustellen.
Freiburg hat zwar eine "Mehrweg-Initiative" gestartet, bietet bisher aber nur wiederverwendbare Becher an – keine Lebensmittelbehälter. Erweiterte Optionen für Essensverpackungen sollen erst 2027 kommen, sodass die Betriebe die Übergangsphase selbst bewältigen müssen. Einige, wie Robin Pfefferle vom Restaurant YepaYepa, verzeichnen seit Einführung der Steuer weniger Takeaway-Kunden, besonders seit dem Umstieg auf Mehrwegbehälter.
Ähnliche Steuern in anderen Städten führten zu Preiserhöhungen und Umsatzeinbußen In Berlin, München und Hamburg gab es in den vergangenen zwei Jahren vergleichbare Abgaben, die zu höheren Preisen, einem Rückgang der Takeaway-Umsätze um 15–20 Prozent und Protesten von Wirtschaftsverbänden führten. Einige Betriebe stiegen daraufhin auf nachhaltige Alternativen um, andere wehrten sich gegen die Regelung. In Freiburg haben sich bereits erste Umgehungsstrategien etabliert: Manche Kunden bestellen ihr Essen von der anderen Seite eines Parkplatzes aus, um die Gebühr zu umgehen, oder Restaurants geben leere Boxen als "Geschenk" aus, um die Steuer zu vermeiden.
Eine umfassende Evaluation der Auswirkungen der Abgabe steht erst in zwei Jahren an. Bis dahin bleibt die Maßnahme trotz der anfänglichen Schwierigkeiten in Kraft.
Spannungen zwischen Stadt und Gastronomie Die Verpackungssteuer hat die Beziehung zwischen der Freiburger Stadtverwaltung und der Gastronomiebranche belastet. Da wiederverwendbare Essensbehälter noch Jahre auf sich warten lassen, müssen die Betriebe die Veränderungen zunächst allein stemmen. Erst die Auswertung 2026 wird zeigen, ob die Regelung ihre ökologischen und finanziellen Ziele erreicht.