Grüne stoppen Homöopathie-Zahlungen – Özdemir vor Wahl-Dilemma
Antonio SchleichGrüne stoppen Homöopathie-Zahlungen – Özdemir vor Wahl-Dilemma
Grüne sagen Nein zu Homöopathie und mehr
Teaser: Nach jahrelangen Debatten steht die Entscheidung der Grünen fest: Die Krankenkassen sollen Homöopathie nicht länger bezahlen. Das könnte für Cem Özdemir zum Problem werden.
Artikel: Die Grünen haben sich klar gegen die Kostenübernahme von Homöopathie durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgesprochen. Auf dem Bundesparteitag stimmten die Delegierten mit großer Mehrheit dafür, Behandlungen ohne nachgewiesene medizinische Wirksamkeit nicht mehr zu finanzieren. Die Entscheidung beendet jahrelange interne Diskussionen und bedeutet einen deutlichen Bruch mit früheren Kompromissen.
Der Antrag, ursprünglich vom Kreisverband Tempelhof-Schöneberg eingebracht, argumentierte, dass das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem keine Therapien bezahlen solle, deren Wirkung über den Placebo-Effekt nicht hinausgehe. Nina Freund, eine lokale Vertreterin, betonte, dass selbst wirksame Behandlungen oft schwer eine Kostenerstattung erhielten – Homöopathie sei daher eine ungerechtfertigte Belastung.
Die Parteiführung hatte versucht, eine Abstimmung zu vermeiden, indem sie einen Mittelweg vorschlug: Die Erstattung sollte nur über freiwillige Zusatzversicherungen möglich sein. Doch die Mehrheit der Delegierten lehnte diesen Vorschlag ab und unterstützte stattdessen die strengere Linie.
Innerhalb der Partei gab es deutlichen Widerspruch. Yatin Shah, Bezirksverordneter und Arzt, verwies auf Metaanalysen, die seiner Meinung nach die Wirksamkeit der Homöopathie belegten, und warnte, dass eine Ablehnung der Kostenübernahme Anhänger verprellen könnte. Paula Piechotta, Ärztin und Leipziger Bundestagsabgeordnete, entgegnete, dass Krankenkassen sich auf wissenschaftlich belegte Behandlungen konzentrieren müssten.
Die Entscheidung könnte politische Folgen haben. In Baden-Württemberg, wo Cem Özdemir die Grünen anführt, stehen im nächsten Jahr Landtagswahlen an. Da viele Parteianhänger der Homöopathie positiv gegenüberstehen, könnte der Beschluss im Wahlkampf für Gegenwind sorgen.
Mit dem Parteitagsbeschluss ist ein langjähriger Streit innerhalb der Grünen beendet: Öffentliche Krankenversicherungen werden künftig keine homöopathischen Mittel mehr erstatten – sofern es nach der Partei geht. Nun bleibt abzuwarten, wie sich dies auf die Wählerbindung in den anstehenden Regionalwahlen auswirken wird.