Humboldt Forum nach fünf Jahren: Kulturtempel zwischen Glanz und Kritik
Antonio SchleichHumboldt Forum nach fünf Jahren: Kulturtempel zwischen Glanz und Kritik
Fünf Jahre Humboldt Forum: Berlins kultureller Leuchtturm mit Akzeptanzproblemen
Vor fünf Jahren eröffnete das Humboldt Forum als großer kultureller Knotenpunkt in Berlin. Mit einem breiten Programm – von Lesungen und Aufführungen über Konzerte bis hin zu Diskussionsrunden – kämpft es jedoch weiterhin darum, ein stabiles lokales Publikum zu gewinnen.
Seit seiner Eröffnung beherbergt das Forum das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Trotz des anspruchsvollen Programms gilt das Projekt vielen Kritikern als fehlgeleitet, manche bezeichnen es gar als „schlechten Witz“. Besonders die kolonialen Bezüge und die prunkvolle Architektur stehen in der Kritik; einige werfen dem Bau vor, er wirke eher wie ein Palast denn als ein Ort für die Stadt.
Die tatsächlichen Besucherzahlen lagen im vergangenen Jahr bei rund 634.000 – ein Wert, der im Vergleich zu Institutionen wie dem Louvre, der etwa 8,3 Millionen Gäste verzeichnete, blass wirkt. In den offiziellen Statistiken werden dabei auch jene erfasst, die lediglich für ein Foto im Innenhof vorbeischauen, ohne die Ausstellungen zu besuchen.
Dennoch hat das Humboldt Forum öffentliche Debatten geprägt. Es gab den Diskussionen über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt neuen Schwung und rückte diese Themen ins Rampenlicht. Aktuelle Performances wie Sarah Ama Duahs to build to bury to remember hinterfragen traditionelle Perspektiven, indem sie Objekte als autonom präsentieren und sich damit dem kolonialen Blick widersetzen.
Die abgelegene Lage und das Fehlen von Nahversorgung in der Umgebung erschweren zudem die Anbindung an die Berliner Bevölkerung. Dennoch bleibt das Programm ehrgeizig: Geplant sind unter anderem ein Vortrag über einen verschwundenen Fluss in Südbrasilien, der später als Denkmal wieder auftauchte.
Das Humboldt Forum bleibt eine polarisierende Institution in Berlins Kulturszene. Zwar hat es Debatten angestoßen und innovative Formate angeboten, doch eine breite lokale Verankerung ist bisher ausgeblieben. Besucherzahlen und öffentliche Wahrnehmung zeigen: Der Weg zu einem festen Platz in der Stadt ist noch nicht abgeschlossen.
