17 January 2026, 14:03

Merz kritisiert hohe Krankschreibungen – sind digitale Bescheinigungen schuld?

Alte Zeitungsanzeige für die Pension Inn in Dresden, Deutschland, mit schwarzem Text auf weißem Hintergrund.

"Really necessary?" Merz kritisiert hohe Fehlzeiten - Merz kritisiert hohe Krankschreibungen – sind digitale Bescheinigungen schuld?

Bundeskanzler Friedrich Merz hat Bedenken wegen der hohen Krankschreibungsquote in Deutschland geäußert, die derzeit durchschnittlich 14,5 Tage pro Arbeitnehmer und Jahr beträgt. Er hinterfragte, ob jüngste Änderungen wie telefonische und elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zu den hohen Zahlen beitragen könnten. Die Debatte hat inzwischen Reaktionen von Krankenkassen und Experten ausgelöst.

2021 führte Deutschland die telefonische Krankschreibung ein, die es Arbeitnehmern ermöglicht, bei kurzfristigen Erkrankungen ihren Arzt anzurufen, statt persönlich in der Praxis zu erscheinen. Ein Jahr später wurde die elektronische Arbeitsunfähigkeitsmeldung (eAU) eingeführt, die den Meldeprozess für Arbeitgeber und Versicherungen vereinfachte. Merz kritisierte diese Maßnahmen und deutete an, sie könnten unnötige Fehlzeiten begünstigen.

Die Krankenkasse AOK widersprach dieser Einschätzung. Sie argumentiert, dass das elektronische System nicht zu mehr Krankheitstagen geführt habe, sondern vielmehr die Erfassung kurzfristiger Erkrankungen verbessert habe, die zuvor oft nicht gemeldet wurden. Die Daten zeigen, dass die durchschnittliche Krankschreibungsdauer pro Arbeitnehmer seit 2022 stabil bei etwa 22 Tagen pro Jahr liegt. Merz schlug vor, finanzielle Anreize zu prüfen, um Beschäftigte zur Arbeit zu motivieren. Zudem forderte er Gespräche mit der SPD, um das Problem anzugehen. Experten betonen jedoch, dass der Anstieg der erfassten Fehlzeiten auf eine bessere Dokumentation zurückzuführen sei und nicht auf eine tatsächliche Zunahme der Krankheitsfälle.

Der Streit verdeutlicht die unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie Krankschreibungen geregelt werden sollten. Während Merz politische Änderungen anstrebt, verweisen Versicherungen und Analysten auf die genauere Erfassung als Hauptgrund für die Statistiken. Die Bundesregierung hat bisher keine konkreten Maßnahmen als Reaktion auf die Äußerungen des Kanzlers angekündigt.