Proteste gegen Fleischkongress: Aktivisten fordern radikale Agrarwende in Mainz
Nadeschda HolzapfelProteste gegen Fleischkongress: Aktivisten fordern radikale Agrarwende in Mainz
Der 20. Deutsche Fleischkongress eröffnet am Dienstag in Mainz – und bezeichnet sich selbst als Leitveranstaltung der deutschen Fleischbranche. Doch der Widerstand wächst: Aktivist:innen und Organisationen planen einen Gegenkongress, um die industrielle Tierhaltung infrage zu stellen. Die Stadt steht bereits in der Kritik, die Veranstaltung ausgerechnet in einer Zeit auszurichten, in der die öffentliche Sorge um Nachhaltigkeit und Ethik zunimmt.
Ein Bündnis von rund 60 Gruppen, angeführt vom "Wir haben es satt!"-Bündnis, organisiert den alternativen Kongress. Dazu zählen Slow Food Deutschland, Bäuer:innen, Umweltaktivist:innen und Tierschützer:innen. Ihr Ziel: die Schäden der industriellen Fleischproduktion aufzuzeigen – vom Leid der Tiere über ökologische Zerstörung bis hin zu Bedrohungen der Ernährungssicherheit.
Felix Ziegler, ein 27-jähriger Student und Aktivist bei Animal Rebellion, hilft bei der Koordination der Proteste. Die Gruppe argumentiert, dass Speziesismus – die Rechtfertigung der Ausbeutung von Tieren – die Schäden der Branche erst ermöglicht. Ihre Forderungen umfassen den vollständigen Ausstieg aus der tierischen Landwirtschaft, die sie als Gefahr für Mensch und Planet brandmarken. Neben Diskussionsrunden sind in Mainz sichtbare Aktionen geplant, darunter ein "Sterbe-In" und eine Lichterkette, um auf die Folgen der Industrie aufmerksam zu machen. Die Organisator:innen hoffen, dass öffentlicher Druck die Macht der einflussreichen Agrarlobby brechen und politische Veränderungen vorantreiben wird. Im Mittelpunkt des Gegenkongresses steht die Anprangerung dessen, was Aktivist:innen als systematische Ausbeutung bezeichnen – von Tieren, Arbeiter:innen und natürlichen Ressourcen. Referent:innen werden darlegen, dass die aktuellen Produktionsmethoden die langfristige Ernährungssicherheit und das ökologische Gleichgewicht untergraben.
Während der Fleischkongress stattfindet, stellen Proteste dessen Legitimität infrage. Die Aktivist:innen fordern einen Ersatz der industriellen Tierhaltung durch nachhaltige Alternativen – flankiert von gerechteren politischen Rahmenbedingungen. Mit Kundgebungen und Debatten wird der Konflikt der Visionen in Mainz die ganze Woche über anhalten.