Rechtsextreme ‚Zentrum‘ scheitert mit Betriebsrats-Plänen an der Realität der IG Metall
Wenzel WeinholdRechtsextreme ‚Zentrum‘ scheitert mit Betriebsrats-Plänen an der Realität der IG Metall
Rechtsextreme Gruppe 'Zentrum' versucht Einfluss in deutschen Betrieben zu gewinnen – bisher mit begrenztem Erfolg
Die rechtsextreme Vereinigung Zentrum, gegründet von Oliver Hilburger nach seinem Ausschluss aus der Christlichen Metallarbeitergewerkschaft, gibt sich als 'alternative Gewerkschaft' – doch konkrete Erfolge für Arbeitnehmer blieb sie bislang schuldig. Währenddessen setzte die IG Metall kürzlich einen zusätzlichen bezahlten freien Tag für Beschäftigte bei Mercedes durch – ein deutlicher Kontrast zur Wirkungslosigkeit der rechtsextremen Gruppe.
Erstmals trat Zentrum 2010 bei Betriebsratswahlen im Daimler-Werk Untertürkheim an, wo Hilburger ein Mandat errang. Seither expandierte die Organisation nur zögerlich: Einziger nennenswerter Erfolg war ein Sitz im Betriebsrat des Abfallentsorgers Aha in Hannover. Im Vergleich zu etablierten Gewerkschaften wie der IG Metall bleibt ihr Einfluss jedoch marginal.
In ihrer Rhetorik attackiert Zentrum regelmäßig die IG Metall, wirft ihr vor, durch 'Internationalismus' mit Arbeitgebern zu kollaborieren – eine Politik, die laut der Gruppe Jobs ins Ausland verlagere. Zudem leugnet sie den Klimawandel und macht die Gewerkschaft für die Krise der Automobilbranche verantwortlich. Optisch setzt die Organisation IG-Metall-Symbole gezielt neben progressive Bewegungen, um eine angebliche Verschwörung zwischen der Gewerkschaft und 'offener Gesellschaft' zu suggerieren. 2022 versuchte sie sich mit einem neutraleren Auftreten breiter aufzustellen – doch wie die Kulturwissenschaftlerin Daphne Weber anmerkt, tauchen extremistische Bezüge weiterhin in aktuellen Materialien auf. Während die AfD bei Arbeitnehmern aus prekären Verhältnissen Zulauf erhält, gelang weder ihr noch Zentrum der Durchbruch in Betrieben.
Die industriepolitischen Ambitionen von Zentrum haben sich bisher nicht in tatsächlichen Einfluss umsetzen lassen. Die begrenzte Ausdehnung und das Fehlen greifbarer Erfolge stehen im scharfen Kontrast zu den jüngsten Erfolgen der IG Metall, etwa beim Durchsetzen zusätzlicher bezahlter Freitage für Mercedes-Mitarbeiter. Trotz der Umfrageerfolge der AfD unter prekär Beschäftigten bleibt die rechtsextreme Präsenz in deutschen Betrieben vorerst überschaubar.