24 January 2026, 06:20

Rechtsstreit um Fanbetreuer erschüttert Vertrauen in die Sozialpädagogik im Fußball

Eine Gruppe von Menschen hält Schilder und Plakate in der Hand und steht vor einem Gebäude, während zwei Personen im Vordergrund sitzen und ein Müllcontainer rechts zu sehen ist, während einer Demonstration in Deutschland, mit Gebäuden, Fenstern, Lichtern und Schildern im Hintergrund.

Rechtsstreit um Fanbetreuer erschüttert Vertrauen in die Sozialpädagogik im Fußball

Ein Rechtsfall, der drei Sozialarbeiter des Fanprojekt Karlsruhe betrifft, hat Bedenken hinsichtlich der Vertraulichkeit in der Fanbetreuung aufgeworfen. Die Mitarbeiter waren zunächst verurteilt worden, weil sie sich weigerten, über Pyrotechnik-Vorfälle bei einem Spiel des Karlsruher SC im Jahr 2022 auszusagen. Zwar wurden die Anklagepunkte inzwischen fallengelassen, doch die Frage nach Vertrauen und rechtlichem Schutz für Sozialarbeiter in Fußball-Fanprojekten bleibt ungelöst.

In Mainz spielt das Fanprojekt Mainz e.V. eine zentrale Rolle für junge Anhänger des 1. FSV Mainz 05. Die Organisation, die sowohl bei Fans als auch beim Verein hohes Ansehen genießt, arbeitet seit über 30 Jahren erfolgreich – etwa mit Initiativen wie den Mainzer Erinnerungswochen oder Aktivitäten in der MEWA ARENA.

Auslöser des Falls war die Weigerung der drei Sozialarbeiter, im Rahmen von Ermittlungen zu Pyrotechnik-Vorfällen bei einem Spiel im November 2022 auszusagen. Sie beriefen sich dabei auf das unbedingte Vertrauensverhältnis zu ihren Klienten – überwiegend jungen Fußballfans. Trotz dieser Begründung verurteilte sie das Amtsgericht Karlsruhe, was eine breite Debatte auslöste.

In den vergangenen Wochen zeigten Fans in Stadien bundesweit mit Solidaritätsbannern ihre Unterstützung für die betroffenen Mitarbeiter. Die Einstellung des Verfahrens wurde zwar als kleiner Fortschritt gewertet, doch das Kernproblem bleibt: Sozialarbeiter in der Fanbetreuung verfügen anders als in anderen sozialen Arbeitsfeldern über kein Zeugnisverweigerungsrecht – und sind damit rechtlich schutzlos.

Das Urteil des Landgericht Karlsruhe könnte nun die Politik dazu drängen, den Schutz für Sozialarbeiter in Fanprojekten neu zu regeln. Unterdessen bekräftigte Mainz 05 seine Unterstützung für das Fanprojekt Mainz e.V. und hob dessen langjährige Erfolge in der Fanarbeit hervor. Die Rückendeckung des Vereins kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Fans in Mainz und darüber hinaus Reformen fordern, um die Sozialarbeit im Fußball besser vor rechtlichem Druck zu schützen.

Sozialpädagogische Fanprojekte sind längst ein unverzichtbarer Bestandteil des Profifußballs – mit etablierten Standards und nachweisbaren Erfolgen. Doch ohne klarere rechtliche Absicherung stehen die Mitarbeiter vor dem Dilemma, Vertraulichkeit gegen gesetzliche Auflagen abwägen zu müssen.

Die Fallniederlegung bringt zwar vorläufige Entlastung, löst das grundsätzliche Problem aber nicht. Sozialarbeiter in Fanprojekten fehlt es weiterhin an den nötigen rechtlichen Rahmenbedingungen, um das Vertrauen junger Fans zu wahren. Die Forderungen nach Reformen halten an – Fans und Vereine drängen die Politik, die Schweigepflicht in diesem speziellen Arbeitsfeld endlich zu stärken.