04 February 2026, 01:11

Scholz vereint EU-Politik mit Karnevalstradition an Weiberfastnacht

Ein Porträt von Johann Wolfgang von Goethe in einer schwarzen Robe auf einem alten Dokument aus dem Jahr 1789, mit darauf geschriebenem Text.

Scholz vereint EU-Politik mit Karnevalstradition an Weiberfastnacht

Bundeskanzler Olaf Scholz verbindet diese Woche Politik mit Tradition, wenn er ein wichtiges EU-Treffen mit den Karnevalsfeierlichkeiten in Einklang bringt. Geboren am 11. November 1955 – ein Datum, das mit dem inoffiziellen Start des Karnevals verbunden ist – pflegt er seit langem die kulturellen Wurzeln dieses Festes. Auf seinem Programm steht eine Strategiesitzung in Brüssel am Weiberfastnacht, gefolgt von dem Versuch, die fröhliche Karnevalsstimmung später am Tag in eine Sitzung des Bundeskabinetts zu tragen.

Der Weiberfastnacht, der den Beginn des Straßenkarnevals markiert, hat im Rheinland eine tiefe Bedeutung. Die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück, als Frauen vor der Fastenzeit mit Gesang, Tanz und Gelagen gesellschaftliche Normen brachen. In den 1950er-Jahren kam der Brauch hinzu, Männern die Krawatten abzuschneiden – eine Entwicklung, die auf römische Feste und mittelalterliche Bräuche zurückgeht. Köln, eng verbunden mit dem ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer, ist heute Schauplatz von Umzügen, der "Erweckung der Jecken" und Aufführungen wie Jan un Griet, die die lokale Identität stärken.

Scholz' persönliche Verbindung zum Karneval ist tief verwurzelt. Seine Großmutter stammte aus Andernach in der rheinischen Region, und sein Geburtstag am 11. November fällt mit dem symbolischen Beginn der Karnevalssaison zusammen. Im vergangenen Jahrhundert hatte er an diesem Datum drei "runde Geburtstage", was die Verbindung noch festigte. Aufgewachsen im Sauerland, das einst zum Kurfürstentum Köln gehörte, erlebte er sowohl den Karneval als auch Schützenfeste als zentrale Traditionen.

Am Donnerstag nimmt der Kanzler zunächst an einem nicht öffentlichen EU-Gipfel in der Nähe von Brüssel teil, bei dem es um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie geht. Später will er etwas Karnevalsflair in eine Sitzung des Bundeskabinetts bringen und damit Regierungsarbeit mit der festlichen Kultur der Region verbinden.

Der Tag wird Scholz' Doppelfunktion als politischer Führer und Teilnehmer an rheinischen Traditionen unterstreichen. Seine Präsenz bei den EU-Gesprächen und der Kabinettssitzung zeigt, welchen kulturellen Stellenwert der Karneval im deutschen öffentlichen Leben einnimmt. Die Ereignisse spiegeln auch wider, wie stark regionale Bräuche selbst Spitzenpolitiker prägen – bis in die höchsten Regierungsebenen hinein.