06 January 2026, 10:56

Schulabgänger:innen unvorbereitet – Wirtschaft fordert radikale Bildungsreformen

Ein belebter Universitätscampus mit Schülern, die herumlaufen, ein zentraler Garten und zahlreiche Bäume drumherum.

Schulabgänger:innen unvorbereitet – Wirtschaft fordert radikale Bildungsreformen

Eine neue Umfrage der IHK Reutlingen offenbart wachsende Bedenken hinsichtlich der Berufsreife von Schulabgängern. Viele Unternehmen berichten, dass junge Bewerber:innen grundlegende Fähigkeiten vermissen lassen – von einfachen Rechenkenntnissen bis hin zu Umgangsformen im Arbeitsalltag. Die Ergebnisse zeigen eine Kluft zwischen schulischer Bildung und den Erwartungen der Wirtschaft.

Laut der Erhebung sind 84 Prozent der Betriebe der Ansicht, dass Schüler:innen schlecht auf eine Ausbildung oder ein Studium vorbereitet sind. Häufige Defizite umfassen schwache Kopfrechenfähigkeiten, Rechtschreibung ohne digitale Hilfsmittel sowie begrenzte Problemlösungskompetenz. Arbeitgeber kritisieren zudem mangelnde Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen und Kritikfähigkeit bei neuen Mitarbeiter:innen.

Gute Umgangsformen, insbesondere im Team, zählen für Unternehmen zu den wichtigsten Anforderungen. Gleichzeitig halten 82 Prozent der Befragten die schulische Bildung für entscheidend für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit. Sie fordern eine stärkere Arbeitsmoral und eine mentalitätsbedingte Veränderung bei jungen Bewerber:innen.

Betriebe verweisen auf Lücken in Kernfächern wie Mathematik, Deutsch, Englisch und Informatik. Sie plädieren dafür, den Lehrstoff stärker an praktischen Anwendungen auszurichten. Die IHK Reutlingen fordert zudem, dass Schulen digitale Kompetenzen, Nachhaltigkeit und berufspraktische Ausbildung priorisieren. Flexiblere Lehrpläne und engere Kooperationen mit der Wirtschaft gelten als Schlüssel zur Verbesserung des dualen Bildungssystems.

Die Organisation plant, diese Forderungen in Kürze den Bildungsbehörden vorzulegen. Sie betont auch die Rolle der Schulen bei der Integration und mahnt eine bessere Ressourcenverteilung an, um den Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht zu werden.

Die Umfrageergebnisse deuten auf eine deutliche Diskrepanz zwischen schulischem Lernen und den Anforderungen der Arbeitswelt hin. Unternehmen drängen auf Reformen in der Vermittlung von Fachwissen und Soft Skills. Die Vorschläge der IHK Reutlingen zielen darauf ab, die Bildung enger an die sich wandelnden Bedürfnisse der Arbeitgeber anzupassen.