06 February 2026, 14:54

Skandal um Bürgermeister Lorenz: Whisky-Affäre und Rücktrittsforderungen eskalieren

Ein Plaza Mayor mit Gebäuden mit Fenstern, Geländern, Bäumen, Bänken, Mülltonnen, Pfosten, Drähten und dekorativen Fahnen.

Streit um Bürgermeister - aber kein Grund zur Entlassung - Skandal um Bürgermeister Lorenz: Whisky-Affäre und Rücktrittsforderungen eskalieren

Appenweiers Bürgermeister Viktor Lorenz steht erneut in der Kritik, da er wegen Fehlverhaltens und Missmanagements angeklagt wird. Eine Untersuchung ergab, dass weniger Whiskyflaschen fehlten als zunächst behauptet. Unterdessen werden die Forderungen nach seinem Rücktritt lauter, obwohl seine Amtszeit noch bis 2032 läuft. Lorenz wurde vor zwei Jahren mit über 53 Prozent der Stimmen gewählt und steht seitdem unter Beschuss. Er soll Mitarbeiter gedemütigt, sein Amt missbraucht und offizielle Unterlagen manipuliert haben. Ein Disziplinarverfahren gegen ihn wurde zwar eingestellt, doch erhielt er einen offiziellen Verweis wegen 'alkoholbezogenen Verhaltens'. Eine aktuelle Prüfung ergab, dass nur fünf Whiskyflaschen fehlten - nicht die ursprünglich genannten 50. Lorenz bestreitet jede Schuld und betont, die Flaschen seien weder verloren gegangen noch gestohlen worden. Dennoch bleibt die Stimmung angespannt, weshalb ein Treffen einberufen wurde, um die Lage zu 'entschärfen' und die Zusammenarbeit zu verbessern. Die Affäre hat die Debatte über die Rechenschaftspflicht von Bürgermeistern neu entfacht. Lorenz' Stellvertreter und die Initiative 'Mehr Demokratie' fordern ein Abwahlverfahren, das es Bürgern ermöglichen würde, Bürgermeister vor Ablauf ihrer Amtszeit abzusetzen. Nach geltendem Recht kann Lorenz jedoch nicht vor dem 29. Februar 2032 abberufen werden. Der Regierungspräsidium Freiburg muss nun entscheiden, ob ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet wird. Ähnliche Fälle der letzten Jahre haben bundesweit für Diskussionen gesorgt: In Dernbach (2023) wurde ein Bürgermeister wegen Korruption abgesetzt, in Bergisch Gladbach (2022) und Blankenheim (2024) führten Vorwürfe wegen Sexismus und Mobbing zu Forderungen nach schärferen Kontrollen. Soziale Medien verstärken die öffentliche Kritik und setzen Kommunalpolitiker unter Druck, das Wahlrecht zu reformieren. Obwohl die Untersuchung die Dimension des Whisky-Streits relativiert, bleiben die grundsätzlichen Bedenken gegen Lorenz' Amtsführung bestehen. Die Entscheidung des Regierungspräsidiums über ein mögliches Amtsenthebungsverfahren wird den weiteren Verlauf bestimmen. Die Forderungen nach einem Abwahlmechanismus zeigen indes die wachsende Unzufriedenheit mit den begrenzten Möglichkeiten, gegen Fehlverhalten von Bürgermeistern vor Ablauf ihrer Amtszeit vorzugehen.