Statistikgesetz-Reform gefährdet langfristige Wirtschaftsforschung und Datennutzung
Cordula RingStatistikgesetz-Reform gefährdet langfristige Wirtschaftsforschung und Datennutzung
Geplante Änderung des Statistikgesetzes könnte langfristige Wirtschaftsforschung gefährden
Eine geplante Reform des deutschen Statistikrechts droht die langfristige Wirtschaftsforschung zu behindern. Die Novelle würde die Regierung zwingen, wichtige Unternehmensdaten bereits nach zehn Jahren zu löschen. Kritiker warnen, dass der Nutzen der Maßnahme – der Schutz vertraulicher Geschäftsinformationen – durch die damit verbundenen Nachteile überlagert werde.
Der Bundestag prüft derzeit einen Entwurf zur Änderung des Bundesstatistikgesetzes (BStatG). Sollte er verabschiedet werden, müsste das Statistische Bundesamt (Destatis) nach einem Jahrzehnt die Identifikationsnummern von Unternehmen unwiderruflich löschen. Diese Kennzahlen verknüpfen im Rahmen des AFiD-Projekts (Amtsdaten für die Forschung mit Individualdaten) Firmenangaben aus verschiedenen Erhebungen und ermöglichen es Forschern, wirtschaftliche Entwicklungen über lange Zeiträume hinweg zu analysieren.
Ökonomen äußern scharfe Kritik. Der Verein für Socialpolitik, der 4.000 Wissenschaftler vertritt, veröffentlichte einen offenen Brief gegen die Pläne. Auch Theresia Bauer, Wissenschafts-, Forschungs- und Kunstministerin von Baden-Württemberg, warnte, dass die Einschränkung wertvolle Forschungsarbeit massiv beeinträchtigen würde.
Destatis setzt bereits strenge Schutzmaßnahmen ein, um Unternehmensdaten zu sichern – darunter Anonymisierung und kontrollierte Forschungszugänge. Befürworter des aktuellen Systems argumentieren, dass die Löschung der Datensätze Studien blockieren würde, die auf langfristige Zeitreihen angewiesen sind, und so die Grundlage für evidenzbasierte politische Entscheidungen schwächen würde.
Zwar soll die Reform den Datenschutz stärken, doch riskiert sie, die wirtschaftliche Analysefähigkeit zu untergraben. Ohne Zugang zu historischen Firmendaten fällt es Forschern schwer, langfristige Trends zu bewerten. Nun wächst der Druck auf die Abgeordneten, die Änderung abzulehnen und stattdessen die statistischen Ressourcen für die Forschung zu verbessern.






