Supermarkt in Mosbach testet Arzt-Termine per Videosprechstunde gegen Ärztemangel
Nadeschda HolzapfelSupermarkt testet Arzttermine zwischen Käse und Kasse - Supermarkt in Mosbach testet Arzt-Termine per Videosprechstunde gegen Ärztemangel
Supermarkt in Mosbach startet Pilotprojekt gegen Ärztemangel auf dem Land
Ein Supermarkt in Mosbach hat ein Pilotprojekt gestartet, um die Versorgungslücke bei Hausärzten in ländlichen Regionen zu schließen. Patienten können nun im "S Medical Room" innerhalb eines Kaufland-Marktes Videosprechstunden mit Ärzten buchen. Die Initiative soll den Zugang zu medizinischem Rat beschleunigen – in einer Gegend, in der lange Wartezeiten auf Termine an der Tagesordnung sind.
Die Telemedizin-Station fungiert als Außenstelle des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Neckarsulm, während die Schwarz Gruppe die Räumlichkeiten und die technische Ausstattung bereitstellt. Zwar steht vor allem die Verbesserung der medizinischen Versorgung im Fokus, doch könnte das Angebot auch mehr Kunden in den Markt locken.
Ärztemangel auf dem Land verschärft sich Ländliche Regionen in Deutschland kämpfen mit einem eklatanten Mangel an Hausärzten. Allein in Baden-Württemberg sind rund 1.000 Stellen unbesetzt, bundesweit fehlen über 5.000 Hausärzte. Viele überlastete Praxen nehmen keine neuen Patienten mehr auf, sodass Anwohner oft lange auf eine Behandlung warten müssen.
Das Mosbacher Modell bietet hier eine Teillösung: Im Supermarkt können Patienten die Telemedizin-Station für erste Untersuchungen bei leichteren Beschwerden wie Husten, Erkältungen oder Heiserkeit nutzen. Per Videosprechstunde lässt sich klären, ob ein persönlicher Arztbesuch nötig ist – was den Zugang zu einer Face-to-Face-Behandlung beschleunigen kann. Bei schweren Erkrankungen oder Neuanmeldungen bleibt der Besuch in einer lokalen Praxis jedoch unverzichtbar.
Der Hausärzteverband Baden-Württemberg begrüßt das Projekt als sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot. Gleichzeitig betont der Verband, dass neue Telemedizin-Dienste eng mit den ortsansässigen Hausärzten zusammenarbeiten müssen. Beteiligte Unternehmen – abgesehen von der Schwarz Gruppe – wurden bisher nicht genannt.
Nicht nur Supermärkte: Drogerien erweitern Gesundheitsangebote Mosbach ist nicht das einzige Beispiel dafür, wie Nicht-Gesundheitsunternehmen in den medizinischen Bereich expandieren. Drogerieketten wie dm, Lidl und Rossmann bauen ihr Sortiment an gesundheitsbezogenen Produkten und rezeptfreien Medikamenten aus, um Kunden mit zusätzlichem Komfort zu gewinnen.
Die Telemedizin-Station in Mosbach eröffnet ländlichen Patienten einen neuen Weg, medizinischen Rat einzuholen. Sie ergänzt die klassische Versorgung, kann aber komplexe Fälle nicht ersetzen. Bei Erfolg könnten ähnliche Projekte Schule machen – während Deutschland weiter nach Lösungen für den Ärztemangel sucht.