Theater an der Parkaue feiert Jubiläum mit mutiger DT64-Hommage *On Air On Fire*
Cordula RingTheater an der Parkaue feiert Jubiläum mit mutiger DT64-Hommage *On Air On Fire*
Theater an der Parkaue feiert 73. Geburtstag mit mutiger Neuinszenierung
Mit der Produktion On Air On Fire begehnt Berlins Theater an der Parkaue sein 73-jähriges Jubiläum – ein Stück, das die stürmischen letzten Jahre von DT64, dem legendären Jugendradio der DDR, wiederaufleben lässt. Unter der Regie von Alexander Riemenschneider verbindet die Inszenierung historische Fakten mit fiktionalen Elementen und rückt damit einen prägenden Moment von Medien und Protest in den Fokus.
Das Theater eröffnete am 16. November 1950 als Theater der Freundschaft im Ostteil Berlins. Bis heute bleibt es ein Ort für junge Stimmen – eine Mission, die sich auch in Riemenschneiders Wahl von On Air On Fire widerspiegelt. Die von Marion Brasch verfasste Produktion taucht mittels dokumentarischer Erzählweise in die turbulenten letzten Tage von DT64 ein.
Brasch, die von 1987 bis 1992 selbst als Redakteurin bei DT64 arbeitete, stützt sich auf reale Ereignisse. Eine Szene rekonstruiert den Widerstand einer Nachrichtensprecherin im Jahr 1989, die sich weigerte, die staatliche Version der Niederschlagung des Tiananmen-Protests zu verlesen. Eine andere greift Braschs eigenen Aufruf nach Veränderung auf, in dem sie die unerträglichen Arbeitsbedingungen anprangerte. Das Stück erinnert zudem an das Konzert von Rio Reiser 1988 im Werner-Seelenbinder-Stadion, als das Publikum zensierte Songzeilen mit dem Ruf „Unser Land ist es nicht“ zurückschrie – ein Moment, den DT64 live sendete, bevor der Stream abrupt unterbrochen wurde.
Das Ensemble, darunter Jan Tsien Beller und Elisabeth Heckel, bringt diese Konflikte für Zuschauer:innen ab 14 Jahren auf die Bühne. Über die Aufführungen hinaus bietet das Theater Workshops an, in denen junge Menschen lernen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Ein Archivausschnitt im Stück zeigt eine junge Frau, die einem DT64-Reporter sagt: „Ich würde diese Ost-West-Gegensätze gern hinter mir lassen. Die haben für mich keine Zukunft.“
Die Produktion erscheint zu einer Zeit, in der das Erbe von DT64 wieder an Bedeutung gewinnt. Hörer:innen besetzten einst die Senatskanzlei, um gegen die Schließung des Senders zu protestieren – ein Kampf, den Braschs Drehbuch neu entfacht. Ihr Werk porträtiert DT64 nicht nur als Radiostation, sondern als Schauplatz des Kampfes um freie Meinungsäußerung während des deutschen Umbruchs.
On Air On Fire knüpft an die Gründungsphilosophie des Theaters an und verbindet sie mit der heutigen Jugend, indem es Geschichte nutzt, um aktuelle Debatten zu befeuern. Die Mischung aus realem Widerstand und fiktiver Erzählung bietet einen ungeschönten Blick auf Medien, Macht und die Stimmen, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Die Vorstellungen laufen weiter am Theater an der Parkaue, während Workshops den Dialog über die Bühne hinaus verlängern.