Udo Kier – ein unvergessliches Original zwischen Fassbinder, Warhol und Hollywood
Cordula RingZum Tod von Udo Kier: Hollywoods deutscher Charmeur - Udo Kier – ein unvergessliches Original zwischen Fassbinder, Warhol und Hollywood
Udo Kier, der legendäre deutsche Schauspieler mit seinem markanten Aussehen und mutigen Karriereentscheidungen, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Aus den Trümmern des Nachkriegs-Kölns stieg er zum weltweiten Star auf – arbeitete mit Regisseuren wie Fassbinder, Warhol und von Trier und hinterließ sowohl in Hollywood als auch im europäischen Kino seine Spuren.
Sein Leben war so unkonventionell wie seine Rollen, eine Mischung aus Exzentrik und unerbittlicher Disziplin. Ob als Hitler auf der Leinwand oder als Mieter einer Grabstätte neben Cecil B. DeMille – Kiers Vermächtnis reicht weit über seine mehr als 250 Filme hinaus.
Geboren im zerbombten Köln, waren seine frühen Jahre alles andere als glamourös. Sein Durchbruch kam, als er Rainer Werner Fassbinder in einer Arbeiterkneipe begegnete – der Beginn einer Zusammenarbeit, die seine frühe Karriere prägte. In den 1970er-Jahren galt er als einer der schönsten Männer Europas, an der Seite von Alain Delon und Helmut Berger.
Sein filmisches Schaffen umfasste Arthouse-Klassiker und Blockbuster, mit Visionären wie Andy Warhol, Lars von Trier und Werner Herzog. Er spielte auch in großen Hollywood-Produktionen, etwa an der Seite von Wesley Snipes in Blade oder Jim Carrey in Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv. Eine seiner ungewöhnlichsten Rollen war jedoch die des Adolf Hitler – gleich mehrmals –, obwohl er dem Diktator kaum ähnelte. Seine letzte Lieblingsrolle hatte er 2021 in Swan Song, wo er einen pensionierten Star-Friseur verkörperte.
Abseits der Kamera war Kiers Leben ebenso dramatisch. Mit Anfang 50 mietete er für 3.000 Dollar im Monat eine Grabstätte neben Regisseur Cecil B. DeMille. Seine Häuser in Hollywood und Palm Springs füllte er mit Mid-Century-Möbeln und Kunstwerken renommierter Künstler. Trotz aller Exzesse erinnerten sich Kollegen an ihn als disziplinierten Profi mit großzügigem Wesen.
Selbst in seinen späteren Jahren blieb Kier ein kultureller Provokateur. Er posierte für Steven Meisels umstrittenes Fotobuch Sex (1992) – neben Madonna, Isabella Rossellini und Naomi Campbell. Sein furchtloses Herangehen an Kunst und Leben festigte seinen Ruf als wahrer Original.
Kier hinterlässt ein immenses Werk – von Underground-Filmen bis zu Mainstream-Erfolgen. Seine Zusammenarbeit mit den größten Regisseuren des Kinos und seine kompromisslose Individualität sichern seinen bleibenden Einfluss. Zwar ist er nun gegangen, doch seine Auftritte – und sein ungestumber Geist – bleiben unvergesslich.