Villingen-Schwenningen deckt vergessene NS-Zwangsarbeit durch bahnbrechendes Projekt auf
Wenzel WeinholdVillingen-Schwenningen deckt vergessene NS-Zwangsarbeit durch bahnbrechendes Projekt auf
Ein neues Projekt in Villingen-Schwenningen bringt die Geschichte von NS-Zwangsarbeit in der Region ans Licht. Unter dem Titel "Lokalgeschichte international: NS-Zwangsarbeit in Villingen-Schwenningen auf der Spur" steht es im Zeichen des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Initiative gilt bereits bundesweit als Vorbild für ähnliche Forschungsvorhaben.
Das 2025 gestartete Projekt vereint Schüler:innen, Historiker:innen und lokale Einrichtungen. Die Forscher:innen haben bisher über 3.400 Zwangsarbeiter:innen identifiziert, die während des Zweiten Weltkriegs nach Schwenningen verschleppt wurden. Zudem kartierten sie 150 Betriebe und 250 Unterkünfte, die mit dem System verknüpft waren.
Schüler:innen des Romäus-Gymnasiums besuchten die Arolsen Archives, um originale NS-Dokumente zu studieren. Gleichzeitig führten Jugendliche des Gymnasiums am Deutenberg ein Workshop-Theaterstück mit dem Titel "Vergessene Schicksale" auf, das die Erlebnisse von Zwangsarbeiter:innen thematisiert. Eine Ausstellung zum Thema wird am 18. Juli im Uhrenindustriemuseum eröffnet.
Leitet wird das Projekt von den Historiker:innen Lisa Schank und Florian Kemmelmeier. Zudem entsteht eine eigene Website als langfristige Bildungsressource. Ähnliche Initiativen gibt es inzwischen in Frankfurt am Main, Leipzig, Dresden, Göttingen, Stuttgart und der Pfalz – alle verbinden lokale Forschung mit der Einbindung junger Menschen.
Die Erkenntnisse zeigen, dass allein in Schwenningen bis zu 4.000 Männer, Frauen und Jugendliche zur Arbeit gezwungen wurden. Der Ansatz des Projekts – eine Kombination aus Forschung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit – setzt Maßstäbe für andere Regionen. Die Verantwortlichen hoffen, dass es weitere Untersuchungen zu diesem oft vernachlässigten Kapitel der Geschichte anregt.