Vom Bandenmitglied zum Gewaltgegner: Tim Raues harter Weg aus der Kreuzberger Szene
Antonio SchleichVom Bandenmitglied zum Gewaltgegner: Tim Raues harter Weg aus der Kreuzberger Szene
Tim Raue gehörte einst zu einer der gefürchtetsten Straßenbanden Berlins. Zwischen seinem 14. und 16. Lebensjahr war er Mitglied der 36 Boys in Kreuzberg. Heute lehnt er Gewalt offen ab – nachdem er ihre brutale Realität am eigenen Leib erfahren hat.
Raue schloss sich den 36 Boys auf der Suche nach Anerkennung und Zugehörigkeit an. Die Bande verlangte bedingungslose Loyalität, die oft durch gewalttätige Auseinandersetzungen unter Beweis gestellt werden musste. Bei seiner Aufnahmeprüfung musste er sich drei Minuten lang gegen zwei Mitglieder durchsetzen. Er hielt nicht die volle Zeit durch, weigerte sich aber zu fliehen – selbst nach einer Tracht Prügel. Eine Narbe aus diesem Kampf ist bis heute sichtbar.
Das Leben in Kreuzberg war geprägt von ständigen Zusammenstößen mit verfeindeten Banden. Raue erinnert sich an die Angst, auf überlegene Gegner zu treffen, die mit Waffen wie Baseballschlägern bewaffnet waren. Trotz der Gefahr zwang er sich, standzuhalten – denn Rückzug hätte den Verlust jeglichen Respekts bedeutet.
Seine Erlebnisse und die seines ehemaligen Bandenfreundes Muzaffer „Muci“ Tosun sind nun im Buch 36 Boys: Wie eine Kreuzberger Bande zur Legende wurde festgehalten. Der Bericht zeigt die harte Realität des Straßenlebens, die Raues spätere Abkehr von der Gewalt prägte.
Seine Zeit bei den 36 Boys hinterließ bei Raue sowohl körperliche als auch seelische Spuren. Die Entscheidung, sich öffentlich gegen Gewalt auszusprechen, traf er, nachdem er deren Folgen aus nächster Nähe miterlebt hatte. Das Buch über seine Vergangenheit dient heute sowohl als Dokumentation der Kreuzberger Bandenkultur als auch als Mahnmal vor ihren langfristigen Folgen.






