01 February 2026, 16:50

Wie eine Berliner Satire rechtsextreme Mythen mit Humor und Wut entlarvt

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer vollen TheaterSzene, mit Menschen, die stehen, sitzen und auf dem Boden liegen, und einer Person auf der rechten Seite, die ein Schild hält, auf dem "Die letzte Szene des Triumphs der Reform oder der Fall der Boro Mongers" steht.

Wie eine Berliner Satire rechtsextreme Mythen mit Humor und Wut entlarvt

Eine mutige neue Performance in Berlin nimmt sich mit Humor, Absurdität und roher Emotionalität rechtsextremer Verschwörungstheorien an."We Crisis Actors: Lookalike in Anger!" von andcompany&Co. und dem Theater Thikwa seziert den gefährlichen Mythos der sogenannten "Crisis Actors" – angebliche Darsteller, die engagiert werden, um Tragödien vorzutäuschen – und verwebt dabei reale Ereignisse mit historischer Satire. Die Mischung aus spielerischer Inszenierung und schonungsloser Gesellschaftskritik hinterließ beim Publikum tiefe Betroffenheit.

Die Aufführung begann mit surreale-komischen Szenen, die sich im Verlauf zunehmend verdüsterten. Ein Moment zeigte einen als Neil Armstrongs Mondrover getarnten Tesla und stellte die Authentizität der Mondlandung infrage. Eine andere Szene interpretierte Emily Dunning Barringer, eine Pionierin der Medizin im New York der frühen 1900er-Jahre, neu – als Teil der vielschichtigen Kritik an Verschwörungsnarrativen.

Im Laufe des Abends verschob sich die Stimmung von absurdem Witz zu ernüchternder Realität. Alexander Karschnia, Mitglied von andcompany&Co., hielt einen Monolog über den "Crisis-Actor"-Mythos– eine rechtsextreme Behauptung, wonach Überlebende von Tragödien bezahlte Schauspieler seien. Er verwies explizit auf das Massaker an derMarjory Stoneman Douglas High School* 2018, bei dem Verschwörungsideologen die Schüler als angebliche Lügner diffamierten.

Der Höhepunkt der Vorstellung war eine ergreifende Darstellung von Freddie Mercurys *"The Show Must Go On", vorgetragen von fünfzig Berliner Künstler:innen am Telefon. Ihre Stimmen, auf eine Großleinwand projiziert, füllten den Saal, als die Inszenierung ihren emotionalen Höhepunkt erreichte. Das finale Bild löste stehende Ovationen aus.

Die am Hebbel am Ufer gezeigte Produktion entstand in einem inklusiven künstlerischen Prozess. Theater Thikwa und andcompany&Co. nutzten spielerische, zugleich radikale Methoden, um die Debatte um Verschwörungstheorien greifbar zu machen – eine Satire mit scharfer gesellschaftlicher Spitze.

Am Ende stand eine schonungslose Mahnung, wie Verschwörungsmythen die Realität verzerren. Indem die Künstler:innen rechtsextreme Erzählungen direkt konfrontierten, verwandelten sie Satire in ein Werkzeug ernster Reflexion. Die stehenden Ovationen unterstrichen die Wirkung einer Inszenierung, die Humor, Geschichte und Herzschmerz in gleichem Maße vereinte.