29 June 2026, 18:40

Bachmann-Preis 2024: Schaette gewinnt mit Was wir tragen – und ein Autor verlässt empört den Saal

In Frontal Opposition to Everything

Bachmann-Preis 2024: Schaette gewinnt mit Was wir tragen – und ein Autor verlässt empört den Saal

Die Jury des Bachmann-Preises bestand in diesem Jahr aus sieben Frauen. Sie vergaben den Hauptpreis sowie den Publikumspreis an Schaette für ihren Text Was wir tragen. Die Veranstaltung sorgte auch für starke Reaktionen unter den Autor:innen, darunter ein dramatischer Auftritt eines Schriftstellers, der den Saal verließ.

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Das Festival begann mit einer eindrucksvollen Szene aus Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan. An einem drückend heißen Sommertag zeigt das Stück den allmächtigen Gott auf der Anklagebank. Dies setzte einen intensiven Ton für die folgenden Lesungen und Diskussionen.

Schaettes preisgekrönter Text untersucht die lebenslange Gewalt und Bewältigungsstrategien von Menschen mit Übergewicht. Für ihre Arbeit erhielt sie 30.000 Euro und die Gunst des Publikums. Die Jury hob zudem wirtschaftliche Themen in vielen Texten hervor und wies darauf hin, wie soziale Hierarchien oft in monetären Begriffen dargestellt wurden.

Weitere Auszeichnungen gingen an Kinga Tóth, die für ihren scharfen Sprachstil und die Darstellung der Kämpfe eines „Ostblock-Mädchens“ den KELAG-Preis erhielt. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde für Vater ohne Sohn mit dem Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet, der für seine sprachliche Vielfalt gelobt wurde. Ein wiederkehrendes Motiv in den Texten war der „Fleck“, der oft prekäre Lebensumstände symbolisierte.

Slata Roschal übt scharfe Kritik an der Literaturszene. Sie prangerte die niedrigen Honorare für Stipendien und die geringen Gewinnmargen für Autor:innen an. Nach ihrer Lesung kündigte sie an, die Bühne sofort zu verlassen, weigerte sich, vor die Jury zu treten – und setzte ihre Ankündigung umgehend in die Tat um.

Der Bachmann-Preis präsentierte kraftvolle literarische Werke und mutige Statements. Schaette erhielt die höchste Auszeichnung für ihre Auseinandersetzung mit gewichtsbezogenen Kämpfen. Das Festival wurde zudem zu einer Plattform für Kritik an der finanziellen Behandlung von Schriftsteller:innen durch die Branche.

Quelle