Cybergrooming unter Jugendlichen: Warum Aufklärung oft zu spät kommt
Wenzel WeinholdCybergrooming unter Jugendlichen: Warum Aufklärung oft zu spät kommt
Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen nimmt in Deutschland stark zu
Eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab, dass fast ein Viertel der Minderjährigen in Deutschland bereits mit Cybergrooming konfrontiert war – also mit Fällen, in denen Täter:innen gezielt Kinder und Jugendliche im Internet ansprechen. Gleichzeitig zeigt eine breitere Untersuchung, dass nahezu die Hälfte der jungen Menschen irgend eine Form sexualisierter Gewalt im Netz erlebt, oft durch Personen aus dem eigenen Umfeld.
Zwischen 2020 und 2023 führte Thüringen ein bundesweit einzigartiges Präventionsprojekt durch, um das Problem zu bekämpfen. Finanziert vom Landesjugendamt, war es das erste seiner Art in diesem Umfang. Yasmina Ramdani leitete Workshops an Schulen in der gesamten Region und erreichte rund 5.000 Schüler:innen der fünften bis achten Klassen.
Das Projekt setzte auf Effizienz: Jede Schule wurde nur einmal besucht, wobei pro Besuch maximal zwei Klassen teilnahmen. Ziel war es, in kurzer Zeit möglichst viele Schulen zu erreichen. Viele Vorfälle ereignen sich in Freundeskreisen oder Klassenchats – oft aus Naivität und mangelnder digitaler Kompetenz.
Nach Ende der Pilotphase 2023 übernahmen Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen ähnliche Programme und erweiterten sie auf Dutzende Schulen. Doch bis April 2026 gibt es keine bundesweiten Daten darüber, wie viele Schulen solche Workshops eingeführt haben. Eine vollständige Erhebung in allen 16 Bundesländern fehlt.
Öffentlich bekannte Fälle wie die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben digitale Gewalt als gesellschaftliches Problem ins Rampenlicht gerückt. Expert:innen betonen, dass Prävention weitaus kostengünstiger ist als die langfristigen Folgen solcher Übergriffe zu bewältigen. Gleichzeitig fordern sie Eltern auf, das eigene Online-Verhalten zu reflektieren und mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen.
Das Thüringer Projekt zeigte, wie wichtig frühzeitige Aufklärung über digitale Risiken ist. Zwar haben einige Regionen erste Schritte unternommen, doch eine flächendeckende Umsetzung wird bisher nicht systematisch erfasst. Ohne umfassende Daten bleibt unklar, wie weit Präventionsmaßnahmen reichen – und wo noch Lücken klaffen.






