Deutschland lehnt Kapazitätsmarkt ab – und setzt auf strategische Stromreserve
Cordula RingDeutschland lehnt Kapazitätsmarkt ab – und setzt auf strategische Stromreserve
Deutschland hat die Einführung eines Kapazitätsmarkts zur Unterstützung von Reservekraftwerken ausgeschlossen. Die Entscheidung fällt zu einer Zeit, in der das bestehende System – das sich allein auf den Energiemarkt stützt – einige Kraftwerke an den Rand der Wirtschaftlichkeit drängt. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat deutlich gemacht, dass er das Konzept ablehnt.
Im aktuellen System lohnt sich für manche Reservekraftwerke der Betrieb nicht mehr. Diese Anlagen stellen Bereitstellungskapazitäten bereit und sichern so die Versorgung in Spitzenlastzeiten oder Notfällen. Ohne zusätzliche Zahlungen machen die Betreiber jedoch Verluste, wenn sie die Kraftwerke am Netz halten.
Die Bundesregierung hat auch einen gemeinsamen Vorschlag mit Frankreich für einen Kapazitätsmarkt abgelehnt. Stattdessen unterhält Deutschland eine "strategische Reserve" von 2,6 Gigawatt, die für Krisenfälle vorgehalten wird. Die Bundesnetzagentur prüft den Netzbedarf und entscheidet, ob ein Kraftwerk für die Vermeidung von Stromausfällen unverzichtbar ist.
Energieunternehmen wie E.ON und RWE hatten sich für Kapazitätszahlungen ausgesprochen und argumentiert, dass sich das Problem damit nicht von selbst löse. Sie wollen zwar einige Kraftwerke stilllegen, müssen aber gleichzeitig die Versorgungssicherheit garantieren. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) schlägt unterdessen vor, die strategische Reserve durch flexiblere Gaskraftwerke auszubauen.
Ohne einen Kapazitätsmarkt wird Deutschland weiterhin auf die strategische Reserve und Netzanalysen setzen. Die Ablehnung zwingt die Energieversorger, wirtschaftliche Zwänge und Versorgungsverpflichtungen in Einklang zu bringen. Die Diskussion über die Finanzierung von Reservekraftwerken dürfte jedoch weitergehen.






