24 March 2026, 10:21

Hamburger Staatsoper wagt radikale Schumann-Neuinszenierung mit politischen Sprengstoff

Ein Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" aufgeklappt auf einer Seite mit Text und einem Logo.

Hamburger Staatsoper wagt radikale Schumann-Neuinszenierung mit politischen Sprengstoff

Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri

Unter der Regie des neu berufenen künstlerischen Leiters Tobias Kratzer hat die Hamburger Staatsoper eine provokante Neuinterpretation von Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri auf die Bühne gebracht. Die von Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber dirigierte Premiere setzte Schumanns Werk in überraschende Bezug zu heutigen Themen – und löste beim Publikum eine Mischung aus Buhrufen und begeistertem Applaus aus. Am Ende feierte das Publikum jedoch Kratzers gewagten künstlerischen Ansatz.

Kratzers Inszenierung brach bewusst mit der traditionellen Trennung zwischen Darstellern und Zuschauern. Die Sängerin der Peri, Vera-Lotte Boecker, kletterte über die Zuschauerreihen, um direkt mit dem Publikum zu interagieren, während dieses selbst gefilmt und in die Handlung einbezogen wurde. Zeitgenössische Bezüge schuf die Produktion vor allem durch ihre Darstellung von Krieg: Eine weiße Autoritätsfigur zieht Zivilisten in einen aktuellen Konflikt hinein.

Der dritte Akt lenkte den Fokus auf die Klimakrise und verwob ökologische Themen mit Schumanns romantischer Partitur aus dem 19. Jahrhundert. Ein zentraler Moment zeigte einen sterbenden jungen Mann – dargestellt als schwarzer Aktivist, der sich gegen die Machtfiguren auflehnt – und fügte so rassische und politische Spannungsebenen hinzu. Wellbers Dirigat unterstrich die Dramatik und trieb das Staatsphilharmonische Orchester Hamburg zu einer mitreißenden, energiegeladenen Darstellung an.

Kratzer hat deutlich gemacht, dass er die Oper stärker mit der Hamburger Gesellschaft vernetzen will. Geplant sind unter anderem Monster's Paradise sowie Frauenliebe und -leben als Teil einer Reihe selbst kuratierter Musiktheaterabende, die herausfordern und zum Nachdenken anregen sollen.

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Die Premiere markierte einen kämpferischen Auftakt von Kratzers Amtszeit – eine Mischung aus künstlerischem Wagnis und gesellschaftskritischem Kommentar. Zwar gab es auch kritische Stimmen, doch die Mehrheit des Publikums nahm die ungeschönte Direktheit der Inszenierung begeistert auf. Mit Wellbers dynamischer musikalischer Führung und Kratzers grenzüberschreitender Regie kündigt die Hamburger Staatsoper eine neue Ära an – eine, die sowohl auf als auch hinter der Bühne Aufmerksamkeit fordert.

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