07 June 2026, 06:18

Organspende-Reform: Soll Deutschland zur Widerspruchslösung wechseln?

Berliner haben bisher dieses Jahr mehr Organe gespendet

Organspende-Reform: Soll Deutschland zur Widerspruchslösung wechseln?

Eine überparteiliche Gruppe von Abgeordneten fordert eine grundlegende Reform des deutschen Organspenderechts. Bis 2030 soll ein Widerspruchslösungssystem eingeführt werden, bei dem Erwachsene automatisch als potenzielle Spender gelten – es sei denn, sie lehnen dies aktiv ab. Der Vorschlag dürft im Bundestag eine hitzige ethische Debatte auslösen.

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Aktuell setzt Deutschland auf die ausdrückliche Zustimmung zur Organspende, entweder durch den Spender selbst oder dessen Angehörige. Im neuen System würde jeder Erwachsene als spendebereit gelten, sofern er nicht zu Lebzeiten formal widerspricht. Kritiker warnen vor einem Eingriff in Grundrechte, Befürworter erhoffen sich dadurch eine Verringerung des chronischen Organmangels.

2025 erhielten nur 3.150 Menschen ein Spenderorgan, während rund 8.200 Patienten auf der Warteliste blieben. Die vorläufigen Zahlen für 2026 zeigen erste Fortschritte: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die bundesweiten Spenden in den ersten fünf Monaten um 12 Prozent. Bis Ende Mai 2026 wurden 1.405 Organe gespendet – 2025 waren es im gleichen Zeitraum 1.253.

Auch in Berlin zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Von Januar bis Mai 2026 wurden 73 Spenderorgane erfasst, fast doppelt so viele wie die 39 im Vorjahreszeitraum. Trotz dieser Entwicklung warten in der Hauptstadt jedoch noch über 400 Menschen auf ein Spenderorgan, obwohl bis Ende Mai 2026 fast 140 Transplantationen durchgeführt wurden.

Das geplante Widerspruchsmodell soll die anhaltende Lücke zwischen verfügbaren Organen und Bedarf schließen. Sollte die Reform beschlossen werden, wäre dies ein radikaler Wandel in der deutschen Organspendepolitik. Nun muss der Bundestag die ethischen und praktischen Konsequenzen abwägen, bevor eine Entscheidung fällt.

Quelle