Polizei Reutlingen und Gedenkstätte stärken NS-Aufarbeitung durch neue Partnerschaft
Antonio SchleichPolizei Reutlingen und Gedenkstätte stärken NS-Aufarbeitung durch neue Partnerschaft
Neue Partnerschaft zwischen dem Polizeipäsidium Reutlingen und der Initiative Gedenkstätte Friedhof X vertieft Wissen über NS-Geschichte
Eine neu geschlossene Kooperation zwischen dem Polizeipäsidium Reutlingen und der Initiative Gedenkstätte Friedhof X soll das Verständnis von Polizeibeamt:innen für die Zeit des Nationalsozialismus stärken. Die am 18. März 2026 unterzeichnete Vereinbarung besiegelt die gemeinsame Arbeit im Rahmen eines landesweiten Projekts, das Demokratie und Toleranz innerhalb der Polizei fördert. Beide Seiten betrachten die Zusammenarbeit als einen zentralen Schritt in der politischen Bildung für Sicherheitskräfte.
Die Partnerschaft wurde von Polizeipräsident Udo Vogel und Professorin Dr. Benigna Schön Hagen, Leiterin der Initiative Gedenkstätte Friedhof X, besiegelt. Dem Abkommen zufolge nehmen Polizeimitarbeitende regelmäßig an Führungen durch die Ausstellung "Unbegrenzte Anatomie: Tübinger Wissenschaft und der Nationalsozialismus" teil. Die Schau untersucht, wie das anatomische Institut in Tübingen mit dem NS-Regime verstrickt war, und gilt als zentraler Erinnerungsort an dessen Verbrechen in der Stadt.
Fünf Beamt:innen in Reutlingen wurden bereits zu sogenannten "Strategischen Pat:innen für Demokratie" ausgebildet, um die Initiative zu begleiten. Zu ihren Aufgaben gehört es, Fortbildungen für Kolleg:innen zu organisieren – etwa Ausstellungsbesuche, Gastvorträge oder Exkursionen zu historischen Stätten der NS-Verfolgung. Schön Hagen dankte der Polizei für ihr Engagement, das sicherstellt, dass die Wirkung der Ausstellung über ihre ursprüngliche Laufzeit als temporäre Schau hinausreicht.
Das Projekt ist Teil der Initiative "Strategische Patenschaften für Demokratie und Toleranz", die 2024 in Baden-Württemberg gestartet wurde. Bis März 2026 hatten sich zwölf weitere Polizeidienststellen in der Region nach dem Reutlinger Vorbild mit Gedenkstätten vernetzt. Vogel betonte die Bedeutung solcher Besuche: Sie seien essenziell, um Polizeikräfte an die Gefahren zu erinnern, die drohen, wenn der Rechtsstaat ausgehebelt wird.
Die Vereinbarung erweitert die Möglichkeiten für Beamt:innen, sich mit historischer und ethischer Bildung auseinanderzusetzen. Durch Ausstellungen, Vorträge und Ortsbegehungen soll die Initiative demokratische Werte und interkulturelles Bewusstsein in der Polizei stärken. Das Reutlinger Modell dient inzwischen als Vorbild für weitere Dienststellen im Land.






