Streit um Apothekenreform: Wer darf impfen und Medikamente abgeben?
Antonio SchleichStreit um Apothekenreform: Wer darf impfen und Medikamente abgeben?
Eine hitzige Debatte ist über den geplanten Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) in Deutschland entbrannt. Das Gesetz soll die Rolle der Apotheken im Gesundheitswesen ausbauen, stößt jedoch bei Ärztevertretern auf scharfen Widerstand. Die Spannungen verschärften sich, nachdem der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Pläne als Risiko für die evidenzbasierte Medizin kritisierte.
Im Mittelpunkt des Streits steht die Frage, ob Apotheker mehr klinische Aufgaben übernehmen sollen – darunter Impfungen und die Abgabe von Medikamenten ohne ärztliche Verschreibung.
Die Auseinandersetzung eskalierte, als KBV-Chef Dr. Andreas Gassen dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) vorwarf, Apotheken einseitig zu bevorzugen. Er behauptete, das Ministerium habe den Apotheken eine Milliarde Euro zusätzliche Abgabegebühren zugewiesen, während die Ausgaben im Krankenhausbereich unkontrolliert blieben. Gassen bezeichnete Apotheker zudem als "medizinische Laien" und bestritt, dass sie über die nötige Expertise für erweiterte klinische Tätigkeiten verfügten.
Die Apothekerin Marietheres Reher-Gremme konterte scharf. Sie nannte Gassens Äußerungen unwissend und arrogant und verwies darauf, dass Pharmakologie und klinische Pharmazie zentrale Bestandteile der Apothekerausbildung seien. Zudem betonte sie, dass Apotheker bereits eine Schlüsselrolle bei der Arzneimittelsicherheit spielten – etwa beim verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika.
Reher-Gremme wies auch Befürchtungen über einen übermäßigen Antibiotika-Einsatz zurück. Sie unterstrich, dass Apotheker bei der Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente strenge Vorgaben einhielten. Während der Pandemie hätten Apotheken zudem erfolgreich Grippe- und COVID-19-Impfungen durchgeführt – ohne Komplikationen.
Doch die KBV bleibt skeptisch. Die Organisation warnt, dass eine Ausweitung von Impfungen in Apotheken zu unkontrollierten, nicht evidenzbasierten Tests führen könnte. Dennoch betonte Reher-Gremme, dass viele Ärzte bereits gut mit Apothekern zusammenarbeiteten. Sie plädierte für einen offenen Dialog und eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen beiden Berufen, um das Gesundheitssystem zu stärken.
Der Streit lässt die Zukunft des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes ungewiss erscheinen. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, erhielten Apotheken mehr Kompetenzen bei Impfungen und Medikamentenmanagement. Derzeit sind sich Ärzte und Apotheker jedoch uneins, wer diese Aufgaben verantworten soll.
Während die KBV auf eine strenge ärztliche Kontrolle pocht, argumentieren Apotheker, ihre Ausbildung qualifiziere sie für erweiterte Tätigkeiten.






