Wie ein Dorf in Baden-Württemberg Deutschlands schnellstes Internet baute – ganz ohne Staat
Cordula RingWie ein Dorf in Baden-Württemberg Deutschlands schnellstes Internet baute – ganz ohne Staat
Ein kleines Städtchen in Baden-Württemberg hat eines der schnellsten Internetnetze Deutschlands aufgebaut – ganz ohne staatliche Förderung. Hohentengen am Hochrhein bietet seinen Bürgern nun Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde für eine monatliche Gebühr von 69 Euro an. Das Projekt stößt sowohl auf Bewunderung als auch auf Kritik, darunter Vorwürfe der EU wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken.
Die Gemeinde investierte knapp drei Millionen Euro in ihr Glasfasernetz, wobei nur 465.000 Euro aus eigenen Mitteln stammten; den Rest deckte sie über Kredite ab. Nach mehr als eineinhalb Jahren Wartezeit auf eine staatliche Genehmigung lehnte die Kommune schließlich 2,25 Millionen Euro an öffentlichen Zuschüssen ab, um das Vorhaben in Eigenregie voranzutreiben.
Der Bau verlief zügig: Täglich verlegten Arbeiter bis zu 100 Meter Kabel mithilfe eines schonenden Grabenverfahrens, das die Straßenbeläge minimal beeinträchtigte. Noch am selben Abend wurden die Straßen wieder instand gesetzt. Herausgekommen ist ein 90 Kilometer langes lokales Netz, das mit über 10.000 Kilometern Glasfaserkabeln ausgebaut wurde.
Heute nutzen 96 Prozent der Haushalte den kommunalen Dienst, der Internet, Telefon und Fernsehen aus einer Hand anbietet. Zudem berät Hohentengen den benachbarten Landkreis Waldshut beim Ausbau leistungsfähiger Infrastruktur, darunter Backbone-Netze und Points of Presence (PoPs). Die Vorwürfe der EU, öffentliche Mittel hätten private Investoren unrechtmäßig verdrängt, wiesen lokale Verantwortliche als haltlos zurück.
Mittlerweile ermutigt die Gemeinde andere ländliche Regionen, ihre Breitbandprojekte selbst in die Hand zu nehmen, statt auf externe Hilfe zu warten. Der Erfolg des Netzes zeigt, wie kleine Städte Hochgeschwindigkeitsinternet ohne starke Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung realisieren können. Die Einwohner profitieren von einigen der schnellsten Verbindungen des Landes zu wettbewerbsfähigen Preisen. Gleichzeitig hat das Projekt eine breitere Debatte über kommunale Eigenverantwortung bei der digitalen Infrastruktur angestoßen.






