Frauen dominieren Apotheken – doch Lohnungleichheit bleibt ein ungelöstes Problem
Antonio SchleichFrauen dominieren Apotheken – doch Lohnungleichheit bleibt ein ungelöstes Problem
Frauen prägen den öffentlichen Apothekensektor in Deutschland – doch sie kämpfen mit Lohnungleichheit und mangelnder Anerkennung
Frauen dominieren den öffentlichen Apothekenbereich in Deutschland und stellen fast 90 Prozent der Belegschaft. Trotz ihrer zentralen Rolle sehen sie sich weiterhin mit hartnäckigen Gehaltsunterschieden und geringer Wertschätzung ihrer Arbeit konfrontiert. Nun fordern Branchenvertreter bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Behandlung.
Laut Daten des Deutschen Apothekerverbands (ABDA) aus dem Jahr 2024 sind 89,2 Prozent der Beschäftigten in öffentlichen Apotheken Frauen. Bei den Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen (PTA) liegt der Frauenanteil bei 96,6 Prozent, bei den Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) sogar bei 97,5 Prozent. Selbst unter den approbierten Apothekerinnen und Apothekern sind 74,1 Prozent weiblich.
Tanja Kratt, Bundesvorstandsmitglied von Adexa – dem Verband der Apothekenmitarbeiter – betont, dass Frauen in Apotheken unverzichtbare Aufgaben übernehmen: von der Patientenberatung über die Arzneimittelsicherheit bis hin zu organisatorischen Tätigkeiten. Dennoch haben viele mit starren Arbeitszeiten und ungleicher Bezahlung zu kämpfen.
Adexa fordert nun verbesserte Arbeitsbedingungen, darunter flexiblere Arbeitszeiten, um Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu erleichtern. Kratt unterstreicht zudem die Notwendigkeit, die Arbeit von Frauen – insbesondere in pflegerischen und betreuenden Tätigkeiten – stärker anzuerkennen.
Das Problem beschränkt sich nicht auf Apotheken. Deutschlands Gender-Pay-Gap liegt weiterhin bei etwa 16 Prozent, wobei Frauen bei vergleichbarer Qualifikation durchschnittlich 4,10 Euro weniger pro Stunde verdienen als Männer. Zudem leisten sie zwei Drittel der Kinderbetreuung, den Großteil der Hausarbeit und den Löwenanteil der Pflege älterer Angehöriger. Adexa plädiert dafür, dass Care-Arbeit – auch in der Rentenberechnung – höher bewertet werden muss.
Der Druck auf die Politik wächst, diese Reformen zu unterstützen und Care-Arbeit als systemrelevant anzuerkennen. Denn solange Frauen das Rückgrat der öffentlichen Apotheken bilden, sind flexible Arbeitsmodelle und faire Löhne ein entscheidender Schritt, um langjährige Ungleichheiten abzubauen.






