Fuchsjagd in Baden-Württemberg: Hilft sie den Rebstühnen wirklich nicht?
Antonio SchleichFuchsjagd in Baden-Württemberg: Hilft sie den Rebstühnen wirklich nicht?
In Baden-Württemberg ist ein Streit über die Fuchsjagd und ihre Auswirkungen auf bedrohte Arten entbrannt. Der Landesjagdverband behauptet, eine Verkürzung der Schonzeit für Füchse würde Rebstühnen und anderen bodenbrütenden Vögeln helfen. Doch Kritiker sehen das eigentliche Problem woanders – im Verlust von Lebensräumen, nicht in Beutegreifern.
Jahre lang wurden Füchse bejagt, doch die Bestände der Rebstühne erholten sich nicht. Nun werfen Naturschutzverbände dem Jagdverband vor, mit seinen Argumenten in die Irre zu führen, und verweisen stattdessen auf größere ökologische Zusammenhänge. Vor 2015 gab es in Baden-Württemberg überhaupt keine Schonzeit für Füchse. Jäger durften sie ganzjährig bejagen – trotzdem gingen die Rebstuhn-Bestände weiter zurück. Zwischen 2015 und 2020, trotz Einschränkungen, gelang es den Jägern nicht, den Rückgang der Vögel aufzuhalten.
Der Landesjagdverband pocht nun darauf, dass die Bejagung von Füchsen während der Paarungszeit bedrohten Arten helfen würde. Weniger Fressfeinde, so das Argument, bedeuten sicherere Brutbedingungen. Doch die Daten zeigen: Die Fuchsbestände sind in 25 Jahren nicht gestiegen – im Gegenteil, sie sind sogar gesunken.
Der Wildtierschutz Deutschland weist diese Behauptungen als irreführend zurück. Studien belegen, dass das Töten von Füchsen bodenbrütenden Vögeln kaum nützt, da höhere Geburtenraten und Zuwanderung Verluste schnell ausgleichen. Selbst während der Paarungszeit sorgen soziale Dynamiken in Fuchsrudeln oft dafür, dass junge Füchse abwandern – eine Bejagung bleibt damit wirkungslos.
Fachleute sehen die eigentliche Lösung in der Renaturierung von Lebensräumen. Um bedrohte Arten langfristig zu retten, müssten 7 bis 10 Prozent der Agrarflächen stillgelegt und der Natur zurückgegeben werden. Ohne diesen Schritt wird die Bejagung von Füchsen – oder anderen Beutegreifern – den Artenschwund nicht aufhalten können.
Die Debatte offenbart eine grundsätzliche Spaltung: Während Jäger auf die Kontrolle von Raubtieren setzen, fordern Naturschützer die Wiederherstellung von Lebensräumen. Die Fuchsbestände sind nicht gewachsen, doch die Rebstühne kämpfen weiterhin ums Überleben. Solange die Flächennutzung nicht angepasst wird, bleibt das Schicksal der bodenbrütenden Vögel ungewiss – unabhängig davon, wie viele Füchse erlegt werden.






